Donnerstag, 28. März 2013

Wenn der alte Holberg das gewusst hätte...


...oder wie ich lernte das Sax zu lieben!
bereits am 20. September 2012 auf amazon rezensierte ich:
Ob ein - zugegeben - exzellentes Saxophon-Quartett mit Hunger auf neue, bislang unbespielte Literatur es schafft, den Inbegriff hochromantischer Streichermusik kammermusikalisch umzusetzen, muss auf den ersten Blick bezweifelt werden. Allein der Gedanke an das ursprünglich für Blaskapellen konzipierte Instrument des Herrn Sax, das seinen unvorhergesehenen Siegeszug von 1840 bis heute vor allem dem Jazz zu verdanken hat, lässt eigentlich schon kaum Neugier aufkommen.

Aber zum Glück bietet sich im Internet die Möglichkeit, Ausschnitte daraus vorzuhören. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin überwältigt von dieser Aufnahme. Die Musiker erschaffen genau den für diese Musik erwarteten musikalischen Habitus. Die Agogik der einzelnen Spieler ist perfekt auf einander und für die Musik abgestimmt und lässt vergessen, dass es vier Bläser sind, die hier spielen, und nicht 30 oder 40 Streicher. Machen Sie die Probe, hören Sie es sich an. Ich habe es verschiedenen Leuten vorgespielt. Je nach Empfindlichkeit für Klangfarben reagieren - insbesondere Menschen, die selber ein Streichinstrument spielen - sensibel auf den veränderten Klang der wohlvertrauten und geliebten Musik. Wer jedoch cross-musikalische Experimente schätzt und vom konkreten Klang abstrahieren kann, stößt hier auf eine wunderbar vertraute Musikalität, die einen in den Bann schlägt und verzaubert. Die Übereinstimmung geht im ersten Satz der Holberg-Suite beispielsweise soweit, dass die geliebte Decca-Aufnahme von 1976 mit Willi Boskovsky und dem National Philharmonic Orchestra nicht nur auf die Sekunde genau gleich lang dauert, sogar die einzelnen Sequenzen sind so gut wie identisch gespielt.

Das ist schon ein bisschen verrückt. Kurz zusammengefasst: Für alle Stücke auf dieser CD gilt: überwältigende Musikalität, ein im wörtlichen Sinne "unerhörtes" Klangerlebnis.

Noch am Rande bemerkt eine Anekdote aus dem leider nicht auf deutsch übersetzten, Booklet, das jedoch äußerst kenntnisreiche Ausführungen zu den Werken enthält: "Gentlemen, you must understand that we cannot accept anyone and everyone at our festival" - diese lapidare Standardabsage eines Festivaldirektors ist quasi zur Initialzündung für das Quartet geworden. Wie wahr: heute sind - so ist anzunehmen - sie es, die sich die Festivals aussuchen dürfen, bei denen sie spielen möchten.

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