Dienstag, 18. Juni 2013

Zeitlebens keine Gewissheit?


Warum ich mir kein Urteil über die sexuelle Orientierung anderer anmaße und die Schöpfung als Vielfalt begreife. (Und was mir das für Probleme bringt.)


Sehr vielversprechend finde ich den "Entwurf einer...Lebensordnung" (externes PDF, 1,2 MB im neuen Fenster) über den die evangelische Kirche zur Zeit diskutiert. Daraus spricht vorbehaltlose Akzeptanz sexueller Orientierung als natürliche Lebensbedingung. Also nicht allein als persönliche Entscheidung einzelner, sondern als zu den natürlichen Lebensbedingungen aller Menschen zählende Ausprägungen der Schöpfung. Die Ablehnung des Abweichenden in der Schöpfung, das Ausgrenzen der Andersartigen, sogar das bloße Dulden und das humane Tolerieren der sexuellen Orientierung unserer Mitmenschen sind und bleiben menschliche Schwächen, um nicht zu sagen: Sünden, die uns einmal verziehen werden mögen.

Dafür bedarf es der vorbehaltlosen Einsicht, dass die Schöpfung eben so ist wie sie ist. Und darüber wird mit Sicherheit niemals Einigkeit zwischen den Menschen bestehen, sogar wenn sie derselben Glaubensrichtung angehören. Erschwert wird das vor allem dadurch, weil es ja vom Wortlaut her eindeutig negative Aussagen in verschiedenen Büchern der Bibel zur Homosexualität (aber auch zu anderen gesellschaftlichen Festlegungen etwa zu Ehe und Familie) gibt. - Entscheidend wird also sein, OB und vor allem WIE man die Worte der Bibel in beiden Testamenten verstehen will: nach dem Wort oder nach dem Geist?

Die Antwort ist für mich klar, da sie von der Hauptperson des Evangeliums, Jesus, ja selber gegeben worden ist: Immer dann, wenn er die Orthodoxen in Rage bringt, weil er Gesetze und Regeln außer Kraft setzt und im Namen Gottes übertritt, bedeutet das: bedingungslose, engagierte Liebe zu den Menschen, nicht aber moralisierendes, nicht-liebendes Festhalten am Wortlaut von Glaubenssätzen und Lebensordnungen führt zu der Seligkeit, die uns Jesus von Gott her verspricht.

Wer mit dieser Einstellung leben will, der erfährt nicht Glückseligkeit, jedenfalls nicht sofort, sondern erfährt zeitlebens persönliche Zweifel und gesellschaftliche Ablehnung. Wo finde ich Gleichgesinnte, die mich unterstützen? Mich als katholischen Christen bewegt darum die uneingeschränkte Hervorhebung der individuellen Gewissensfreiheit bei der Beurteilung von Feststellungen und Glaubenssätzen als Einheit stiftendes Prinzip für Kirche, so wie es aus diesem Beitrag auf evangelisch.de zu erkennen ist.

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