Samstag, 10. Mai 2014

CPE Bach der "Empfindsame"

Im Anfang war

Alte Musik, dann Barock, Klassik, Romantik, Rock'n'Roll, Hip-Hop, Electro. - Soweit die Musikgeschichte in der Kurzfassung. (David Bowie Fans verzeihen mir die Auslassung der Epoche "Edel-Pop".)

Doch was passierte wirklich?

Wieso überhaupt andere Musik als Gregorianik?

Das wahnsinnig Aufregende an Musik - Hören und Selbermachen - ist, so hat Vattaunsa erkannt, dass in ihr das Zeitreisen möglich ist. Dafür braucht man nur eine Spielanleitung, meistens genügen Noten und die Stimme oder Instrumente.

Wie hat König David die Harfe gerockt, Pythagoras das Komma zum Klingen gebracht, Bach sein Klavier temperiert, Beethoven für Napoleon gefühlt, Berlioz nach schwerem Abendmahl fantastische Fieberträume erlitten, Debussy eine Fahrt auf dem Meer erlebt, Moussorgsky eine wilde Nacht auf einem kahlen Berg erlebt, Arvo Pärt tabula rasa gemacht, Queen über die Queen gesungen?

Kann man in Musik exakt das gleiche erleben, wie die Komponisten und die Zeitgenossen? Ja, wenn man sich mit der historischen Interpretation der Komposition und der Aufführungspraxis der Entstehungszeit auskennt, müsste das funktionieren.

Videobeweise

Seit "Formel 1" und MTV ist das eigentlich kein Problem mehr: Videos, 3-Minutenkunstwerke lassen kaum Fragen offen, wie die Musik zu verstehen sein soll. Aber in den meisten Epochen davor wird's schwierig. Was meint Ives mit seiner "Unanswered question" wirklich, hat Beethoven die unmöglichen Tempoangaben wirklich so gemeint? Wie empfand man, als die Terz noch ein unharmonisches Intervall war?

Das sind schon sehr spezielle Fragen, die sich auch nicht durch Musizieren oder Anhören nicht unmittelbar erfassen lassen und doch für die musikalische Zeitreise unabdingbar sind. Und doch war die "angesagte" Musik in ihrer Zeit auch ohne diese Erklärungen populär und zeitgemäß und zog Menschen in ihren Bann. Was fehlt zum direkten Zugang?

Damit das auch heute noch passiert, bedarf es der "Musik-Archäologie" und Spezialisten, die sich nicht nur mit der historischen Wahrheit auseinandersetzen, sondern sie auch spielen können.

Ophélie Gaillard und das Pulcinella Orchestra gelingt das mit der Musik des "empfindsamen Zeitalters".



Ophélie Gaillard / Carl Philipp Emanuel Bach... von AparteTV

Immer schon habe ich zu verstehen versucht, was es mit diesem merkwürdigen Zwischenstadium zwischen Barock und Klassik auf sich hat. Es musste etwas ganz großes sein, denn es verdrängte die Musik von "Gottvater" Johann Sebastian Bach u.a. mit Macht von Platz eins der Charts. Carl Philipp Emanuel war zu Lebzeiten sehr viel berühmter und erfolgreicher als sein Vater.

Was es ist, das die Empfindsamkeit der Musik Neues hinzugefügt hat, wird in diesem wunderbaren Beitrag mit Interview mit Ophélie Gaillard deutlich. Eine ZEITREISE!

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