Mittwoch, 13. November 2013

Martin Sonneborns Defizitärsatire v. Dickfelligkeit der Deutschen Bank.

Während die Wirtschaftsweisen gerade mit den Koalitionsplänen einer irgendwann zustande kommenden neuen Bundesregierung hart ins Gericht gehen als handelte es sich um die Geburtstagspläne eines übermütigen Teenagers, muss die Nation etwas gegen den anhaltenden Wahlkater tun, der darin besteht, dass nach einer Weiter-so!-Wahl tatsächlich alles so weitergeht, und flüchtet sich darum freitagabends zu Oliver Welke in die heitere Welt von Comedy und Satire, in die "heute-show".

Satire? Stimmt, Satire gibt es da, auch wenn es über weite Strecken immer wieder wie Comedy a la "7 Tage 7 Köpfe" aussieht. Dietmar Wischmeyer bedient die robusten Gemüter, solche die auch bei Kurt Krömer lachen, während Martin Sonneborn eher der intellektuelle zynische Feingeist zu sein bestrebt ist. Aber er verfehlt die Messlatte. Die Süddeutsche nennt ihn "übermütigsten Satiriker Deutschlands" und das ist noch eher milde ausgedrückt für die manipulative Mache, die er da abliefert. 

Alles lacht so hämisch über die Deutsche Bank, deren mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragter Mitarbeiter so unsouverän wie stupid-blöde dabei wegkommt, jedenfalls wenn man dem Zusammenschnitt von Martin Sonneborn Glauben schenken darf. Aber darf man? Rechtfertigt der Name Sonneborn das? Gibt es satirischen Journalismus, bzw. Satire mit journalistischem Bodensatz?

Zunächst: Der Witz bei der Geschichte, die Sonneborn erzählt, besteht in der Realkarikatur einer als hemmungslos profitgeil verrufenen Bank, die sich anscheinend die Arroganz leistet, journalistische Anfragen mit vorgegebenen Frage-Antwort-Spielchen auf einfachstem Niveau abzuspeisen. Der Eindruck entsteht und er ist ausdrücklich gewollt.

Nachdem sich Deutschland ein Wochenende lang nun darüber schlapp gelacht hat, offenbart Sonneborn auf Nachfrage der FAZ, dass "seine Anfrage" um ein Interview mit der Bank von dieser durchaus anders verstanden werden konnte, und das erklärt die eher kindgerechte Aufmachung des Frage-Antwort-Materials, Stichwort "elektrische Zahnbürste".

Unerklärlich wie ein Ufo im Hangar von Area 51 bleibt indes, wie es zu der fatal dümmlichen Darstellung des Bankmitarbeiters kommen konnte. Anscheinend hat es die heute-show noch nicht zum "Pflichtblatt" bei der Deutschen Bank gebracht. Aber das sollte sie jetzt spätestens sein. Vielleicht hätten die Mitarbeiter von "oben" mal bei ihrem "Bodenpersonal" an der Empfangstheke rückfragen sollen. So wissend lächelnd, wie Sonneborn dort empfangen wurde...

Und nochmal, gibts ein Restvertrauen in journalistisches Arbeiten bei Martin Sonneborn? Bei mir nicht mehr, denn Satire, die bekanntlich alles darf, darf auch den Anschein erwecken, sie entspringe einer realen Situation mit realen Figuren und Martin Sonneborn sei Enthüllungsjournalist. Wenn er soweit geht, dann sagt das alles über Satire, aber nichts mehr über die Deutsche Bank. Wir lachen über eine Karikatur ohne Anspruch auf (einen Funken) Wahrheit. Hören wir auf damit!

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