Sonntag, 19. Januar 2014

Ticket in die Vergangenheit

Manchmal braucht man eine Generalpause, einen Akt Ruhe, um sich dann ganz auf etwas Neues zu konzentrieren und den Zauber zu erleben, der allem Anfang innewohnt.

Und so ist es: Zwei Jahre Abstand vom Alten und ein Jahr Neues und schon sieht die Welt für mich ganz anders aus. Ich bin auf einmal ein kleines Rad im Getriebe von über 130 spielenden, singenden, tanzenden Akteuren bei einer ganz großen Sache.

Die Geschichte, in die ich geraten bin, beginnt 2013, als die Musik- und Kunstschule noch einmal Männer als Sänger und Darsteller für's Musical zum diesjährigen Stadtjubiläum von Bielefeld sucht. Ich hatte gerade festgestellt, dass ich seit über einem Jahrzehnt fast nur Kirchenmusik mache. Keine schlechte Sache, Gregorianik und so, aber ich bin damit "fertig" und schaffe einfach nichts Neues mehr.

Selber Leiter gewesen zu sein, war eine unverzichtbare Erfahrung, die fortwirkt. Der Rollenwechsel zum Akteur bedeutet hingegen, tief rein in die Rolle zu gehen, in den Subtext der Figur, die ich spiele, und dort so präsent wie möglich zu sein, egal, wie das Ganze drumherum wird. Ich muss mich bremsen, den Regisseuren vertrauen.
Unsere Geschichte zum Stadtjubiläum beginnt, wie sollte es anders sein, in Bielefeld, an der Straßenbahnhaltestelle „Adenauer Platz“. Von dort sieht man deutlich die “Biele”, den charakteristischen Einschnitt im Teutoburger Wald, links der Burgberg, rechts der Johannisberg, die der Stadt, wie die Historiker heute annehmen, ihren Namen gegeben hat.
Der Geschichtsprofessor, sitzt mit seiner Assistentin in einem Wagen der Bielefelder Stadtbahn, die gerade im Begriff ist abzufahren. Im letzten Augenblick kommen noch zwei Jugendliche, sowie eine ältere Dame und deren Enkelin hinzu. 
Während ein zunächst für unbedeutend gehaltener technischer Fehler die Weiterfahrt verhindert, entbrennt zwischen den Anwesenden eine hitzige Diskussion über Respekt vor dem Alter. Zum sprichwörtlichen Donnerwetter kommt es, als der Jugendliche gegenüber der Stadtbahn-Führerin Luka eine üble Pöbelei vom Stapel lässt und ein Gewitter sich über der Bahn entlädt.

Ich bin zunächst Zuschauer und warte auf meinen Einsatz, der später kommt. Das Ensemble in der Stadtbahn, das aus überwiegend jungen Leuten besteht, halb so alt wie ich, wird in fast allen Szenen des Stücks zu spielen und - im Gegensatz zu mir - auch singen und das in fünf Aufführungen an drei aufeinanderfolgenden Spieltagen - Respekt davor! Momentan ist es für die meisten Beteiligten auch noch unvorstellbar.

Und so wird es meine Geschichte und die von 120 anderen Menschen, die zum Erfolg verurteilt sind, denn die Veranstaltungen sind lange ausverkauft.

Also am 6. Februar 2014 in der Rudolf-Oetker-Halle, wird "Ticket in die Vergangenheit" fertig sein und wir werden 5 mal alles geben!

(Wenn die Spannung unerträglich wird, erzähl ich weiter.)

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