Sonntag, 25. Mai 2014

Ansichten zum digitalen Nachrichtengeschäft - #webuwant

OUT oder IN?

Aha, Facebook ist OUT, alle wollen nur noch Whatsapp. Facebook kauft Whatsapp. Peng!

Und jetzt? Ist Facebook wieder richtig IN? Kann man gegenwärtig noch nicht sagen.

Gegenfrage: Was ist denn IN? Threema? Wohl kaum.

Uff!

Andere Frage: Was wird überhaupt gesucht? Ein Trend oder eine Entwicklung?

Entwicklungen? Die gibt's doch gar nicht mehr. Es ist meistens schon vorbei, bevor es eine Entwicklung gegeben hätte. Oder ist das die Entwicklung?

Oder ist das die falsche Frage?

Schauen wir vielleicht immer bloß auf die Spitze der Entwicklung, so wie auf die Spitze von 'nem Softeis? Sehen wir darum die Riesenportion nicht, die schon darunter ist und gleich lostropft?

Ja, Vattaunsa hatte schon immer ein Talent (für Softeis und...) dafür, in die andere Richtung zu gucken.

Ist es vielleicht sogar die richtige Richtung?

Karsten Lohmeyer von Lousy Pennies beschaut sich junge Journalisten, die auf's Netzzeitalter losgelassen werden und erkennt ernüchtert:
"Ich dachte, diese Jungjournalisten wären Digital Natives. Doch es war nur ein Märchen… Denn sie wissen nicht was sie tun: Nur die wenigsten Nachwuchs-Journalisten begreifen, dass die sozialen Netzwerke keine Spielzeuge für sie sind."

Das ist Heftig

Hätte man ihm auch vorher sagen können. Digital Natives sehen nämlich "HEFTIG" anders aus. Die WiWo tat auch so, als wäre sie sehr überrascht, als sie nun entdeckten, dass hinter Heftig.co nicht Springer oder Bauer stecken.

Das hätte mich aber auch sehr gewundert. Die alten Druckereien können ja seit Alters her schön seichten Content herstellen - aber im Print (Girlie, Pferde, Promis, Fitness usw.) - nur eben nicht im Netz. Wieso ist das so?

Georg Altrogge von Meedia beschwört heute in einer Analyse der aktuellen Strategieentscheidungen beim Spiegel den bösen alten "Digitalen Graben" und meint:
"Der wahre Feind kommt von außen. Die Herausforderungen des digitalen Wandels müsste die Spiegel-Redaktion vereint anpacken. Gerade für die Printler heißt das: Umparken im Kopf ist gefragt."

Gefahr erkannt und schnell umgeparkt?

Umparken

Da war doch neulich schon etwas mit "Umparken"... Ja, eine sehr geil aufgemachte Inkognito-Kampagne. Zuerst gab es eine Überraschung, als herauskamm, es ist Opel, und das war genau das Kalkül der Kampagnenmütter und -väter. Aber als zweites folgte die Enttäuschung mit dem Rest der Kampagne, denn es wurde allen sehr bald klar: es ist wirklich Opel, an der altbackenen Offlinekommunikation hat sich doch gar nichts geändert. Schadee!

Immerhin, die alte Kommunikation sorgt schon mal für Aufmerksamkeit im Netz. Sie haben den Mechanismus erkannt und kopiert, aber doch nicht verstanden.

Also kein Umparken. Was sonst?

Einparken

...tun momentan noch in der Hauptsache die Startups. So ist die "Arbeitsteilung": Startup mit genialer Geschäftsidee und ein bisschen Venturekapital, auf den Hype warten und sich dann auf dem Kapitalmarkt an den Meistbietenden verkaufen und zur Ruhe setzen. Z. B.

"Storyfilter.com"

von Bernhard Brechbühl, einem Schweizer TV-Journalisten. Er hat einen Riecher für Virales. Es törnt ihn an, wenn ein Beitrag "abhebt" und die Zugriffszahlen oder sozialen Interaktionen steil ansteigen. Als nächstes Werbung draufschalten und zeigen, dass man damit Geld verdienen kann. Später auf die klassischen Medien als Käufer warten.
"Storyfilter.com: auf der Suche nach der perfekten Viral-Formel" (meedia.de)

"heftig.co"

machen es ebenso, nur mit noch weniger Journalismus. Doch das ist hier total egal. Beim Rumprobieren wurde ganz nebenbei die Plattform als Verkaufsbeschleuniger für die Urheber von Geschichten entdeckt.

Und darum fragt Maria-Xenia Hardt auf faz.net schon einmal vorsorglich:
"Wie funktioniert „heftig“?" (faz.net)

Auf netzwelt.de sieht ein sehr frustrierter Christian Rentrup dagegen den Journalismus auf dem Scheideweg:
"Aber wenn wir ehrlich sind, liebe Internetgemeinde, ist es vermutlich genau das, was ihr wollt. Ihr wollt rührselige Geschichten, verwackelte Videos, banalen Käse, Katzenvideos und Let's Play-Shows auf YouTube. Ihr wollt überhaupt keinen Qualitätsjournalismus, stimmt's?"
Mit diesem Entweder-Oder ist er aber ganz weit weg von der Lösung der journalistischen "Gretchenfrage". Vattaunsa empfiehlt, das Netz als das zu nehmen, was es ist: keine journalistische Lehranstalt, kein Moralinstititut, sondern...

Inszwischen hat Karsten Lohmeier auf Lousy Pennies die Fortsetzung auf seinen reichlich geteilten und kommentierten Beitrag geschrieben:
Du dachtest, Facebook dient nur zur Selbstdarstellung.
Und als Fazit schreibt er drunter:
Wer aber begreift, dass die direkte Ansprache des Lesers und die professionelle Auseinandersetzung mit seinen Lesegewohnheiten und Erwartungen schon immer zum journalistischen Handwerk gehört haben, wird schnell erkennen, welch fantastisches Werkzeug ein soziales Netzwerk sein kann. Aber es soll ja noch Journalisten geben, die ausschließlich für sich selbst schreiben und nicht den geringsten Schimmer haben, wer eigentlich ihre Leser sind und auf welchen Kanälen sie erreicht werden… 

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