Samstag, 5. März 2016

Famous last words.

Wenn ich auf einer Sterbestation oder in einem Hospiz arbeiten würde, worüber würde ich mit den Menschen auf keinen Fall reden? Über ihren Tod. Darüber, was sie falsch gemacht haben, was sie inzwischen bereuen, aber nicht mehr ändern können etc. Ich fände es gemein, denn ich hätte noch die Chance, sie hätten sie nicht mehr.

Die Australierin Bronnie Ware hat acht Jahre als Palliativpflegerin in England gearbeitet und ihre Patienten genau das gefragt, wow! Doch mich beschleicht nun die Scheu davor, zu erfahren, was ich mit diesen Menschen möglicherweise gemeinsam habe und was ich in meinem Leben ändern müsste.

Warum? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wenn ich meine Einstellung nicht ändere, werde ich auch das Versäumte und Vertane erst bereuen, wenn es zu spät dafür ist, etwas zu ändern. Warum also nicht von den Erkenntnissen und Ratschlägen der Sterbenden etwas fürs Leben mitnehmen. Sind wir nicht alle „Sterbende“ von Anfang an?

Frau Ware, die auch über „regret-free living“ bloggt, stellt in ihren als Buch erschienenen Erinnerungen fest, dass viele Leute die gleichen Dinge bereuen – und zwar allesamt solche, die sie eigentlich ohne grossen Aufwand hätten ändern können.

#5: «Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein»

«Viele realisieren bis zum Ende nicht, dass Glück eine Wahl ist. Stattdessen verharren sie in alten Mustern und Gewohnheiten. Aus Angst vor Veränderung tun sie gegenüber sich selbst und anderen so, als ob sie zufrieden seien. Doch tief in sich drin sehnen sie sich danach, mal wieder richtig zu lachen und albern zu sein.»

#4: «Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben»

«Viele waren in ihrem Leben dermassen eingespannt, dass sie ihre Freunde während Jahren vernachlässigt oder ganz aus den Augen verloren hatten. Als sich ihr Leben dem Ende zu neigte, war es teilweise leider unmöglich, diese alten Freunde zu finden, um sie noch einmal zu sehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder Sterbende seine Freunde von früher vermisst.»

#3: «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken»

«Viele Menschen haben ein Leben lang ihre Gefühle unterdrückt. Das führte dazu, dass sie sich nie zu jenen Menschen entwickeln konnten, die sie wirklich sein wollten. Ich denke, viele Krankheiten sind auf diese Unzufriedenheit zurückzuführen.»

#2: «Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet»

«Jeder männliche Patient hat diesen Satz gesagt. Sie bedauerten, die Kindheit ihres Nachwuchses und die Gesellschaft ihrer Partners verpasst zu haben.»

#1: «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben»

«Die meisten der Sterbenden hatten nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht und mussten mit der Gewissheit sterben, dass sie selber dafür verantwortlich waren. Statt auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören, hatten sie das Leben gelebt, das andere von ihnen erwartet hatten.»



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